Dem Himmel so nah – Hochgebirgstrakking im Tadschikischen Pamir

Einen solchen Himmel wie im Pamir gibt es nirgends. Das Expeditionsbergsteigen hat mich oft nach Asien geführt, aber der Zentralpamir ist für Trekkingtouren die landschaftliche Perle. Und der Pamir-Trakt eine der berühmtesten Rumpelpisten der Welt.

Im letzten Jahr führte mich eine Erkundungsfahrt erneut in die Provinz Berg-Badachschan. Die Aufgabe: neue Trekkingtouren für einen deutschen Reiseveranstalter zu erkunden. Nicht eine Minute habe ich daran gezweifelt, dass es sich lohnen könnte. Aber wie erlebnisreich und schön es letztlich wurde, ahnte ich anfangs noch nicht. Schon die zweite Tagesetappe wartete mit einem Höhepunkt auf: ein Bad in einer heißen Quelle inmitten von Stein und Geröll. Unsere von Packpferden begleitete Tour führt weiter zu den bezaubernden Zarosh-Kul-Seen, dann vorbei am Uch-Kul, Chapdara-Kul und schließlich bis zum größten See, dem Yashil- Kul, den wir nach der Passüberschreitung im schimmernden Abendlicht erblicken.
Von hier fahren wir mit Landcruisern weiter über den Khargush-Pass Richtung Süden, in den Wakhan-Korridor, zum Ausgangspunkt unserer zweiten Tour. Diesmal lassen wir Petroglyphen und mittelalterliche Festungsreste, ein privat geführtes Museum sowie die berühmten Mazare (Schreine der hier wohnenden Ismailiten) und sogar eine buddhistische Stupa links liegen. In einer bewirtschafteten heißen Quelle, gewissermaßen einer Art Bäderbetrieb mit dem verblassten Charme eines sowjetischen Sanatoriums, laden wir unsere Kraftreserven auf. Die brauchen wir auch, denn am nächsten Tag wandern wir über einen Owring, einen mehr oder minder an den Steilhang gezimmerten Pfad, nach Norden, um eine Überschreitungsmöglichkeit der Shokhdara-Kette von Darshai ins Badomdara-Tal zu suchen – kein einfacher Weg über waghalsige Brückenkonstruktionen und entlang reißender Flüsse. Zum Glück können wir uns hin und wieder in den Sommerlagern der Hirten mit salzigem Milchtee stärken – ein für Mitteleuropäer doch sehr gewöhnungsbedürftiges Getränk.
Nach einer anstrengenden, weglosen Passüberschreitung in Geröll und Schnee erreichen wir endlich das Badomdara-Tal. Nach Tagen im Zelt und bei einfacher Kost genießen wir hier ein unglaublich gastfreundliches Homestay mit tollem Essen. Das ist Tadschikistan. Das ist der Pamir, das Dach der Welt.

Autor: Gunther Knauthe

zurück zur Übersicht

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.