Ein Besuch bei den höchsten Gipfeln des Südpamir

Das geschichtsträchtige Basislager unzähliger Expeditionen auf der idyllischen Engelswiese ist auch für Genusswanderer ein bequem erreichbares Highlight des südlichen Pamir. Und wer einmal dort ist, will kaum wieder weg…

Die Engelswiese zu Füßen der gewaltigen Südabstürze des Pik Engels (6507 m), des zweithöchsten Gipfels des Südpamir, trägt ihren Namen zwar wie der Berg selbst aus längst vergangenen Sowjetzeiten und zu Ehren des bärtigen Alt-Revoluzzers, aber man könnte auch gut verstehen, wenn die Namensgeber damit hätten ausdrücken wollen, wie himmlisch schön es dort ist!
Es heißt ja immer, dass der erste Eindruck der Richtige ist und im Fall der Engelsweise stimmt das auch ganz gewiss: wer einmal selbst die reichlich 3 Stunden vom letzten Dorf durch das schroffe, enge Hochtal hier hinaufgewandert ist, dem leisen Plätschern des alten Bewässerungskanals folgend, gemütlich dem gleichmäßigen Schritt der Packesel hinterher, die scheinbar mühelos unsere Ausrüstung bis fast auf 4000m Höhe schleppen, und immer wieder mit Genickstarre zu den himmelhoch aufragenden Schuttbergen links und rechts hinaufschauend, der steht nach einer letzten kleinen Steilstufe und einer sanften Biegung des Gletscherbaches urplötzlich staunend an diesem paradiesischen Ort.
Das sich lieblich weitende Tal wird eingenommen von einer üppig grünen Wiese, die in sanften Bögen der mäandernde türkisblaue Gletscherbach durchschneidet. Überragt wird die Szenerie von der himmelsstürmenden Steilwand des gewaltigen Pik Engels, irgendwo grasen Schafe und hoch über uns am blauen Himmel zieht der Adler majestätisch seine Kreise. Ein schönerer Platz um unsere Zelte aufzuschlagen ist kaum vorstellbar! Zwei Nächte bleiben wir hier oben und genießen das großartige Panorama, unternehmen kleine Wanderungen zum nahen Gletscher und dem türkisfarbenen See, erwandern auf schmalem Pfad einen einfachen 5000er, der grandiose 360-Grad-Panoramablicke auf den südlichen Pamir und den nahen Hindukusch bietet. Am liebsten wären wir eine ganze Woche geblieben, so schön ist es hier! Doch irgendwann heißt es Abschied nehmen von dem idyllischen Fleck und nur 2 Stunden später sitzen wir wieder unten bei unseren Autos, halten Picknick mit frischem Fladenbrot, Käse, Weintrauben und Melonen. Die großartige Fahrt auf dem Pamir Highway – der „Mutter aller Rumpelpisten“ – bringt tagtäglich eine Vielfalt neuer Eindrücke, doch die landschaftliche Schönheit der Engelswiese bleibt für mich das absolute Highlight einer reichlich zweiwöchigen Reise durch Tadschikistan…

Autor: Markus Walter

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